Navigationsgeräte als Beinahe-alles-Könner im Fahrzeug

Die Urform der heute im Einsatz befindlichen Navigationssysteme wurde ab 1990 von den Autoherstellern als optionale Extraausstattung für serienmäßig hergestellte Fahrzeuge angeboten. Die Entwicklungsarbeiten an den elektronischen Straßenführern lassen sich sogar bis in das Jahr 1981 zurückverfolgen. Wird heute Bilanz darüber gezogen, welche neuen Funktionen vom Verkaufsstart der Geräte bis in die Gegenwart Einzug in diese nützlichen Helfer gehalten haben, kommt eine beachtliche Anzahl technischer Features zusammen. Sie alle verfolgen ein Ziel: das sichere Navigieren auf Straßen und Autobahnen so einfach und benutzerfreundlich wie möglich zu machen. Dennoch stellen sich viele Besitzer von Navigationsgeräten die Frage, in welche Richtung ihre Weiterentwicklung zukünftig gehen wird.

Werden Navis zur Multimediazentrale im Auto?

Spätestens nach der IFA 2013 zeigte sich, dass zu mindestens die Hersteller der Navigatoren die richtige Route gefunden haben. In den nächsten Monaten geht es Richtung schnellerer Echtzeitnavigation und größerer Displays. Damit wird auch der oftmals geäußerte Wunsch von Fahrzeugführern nach einer Telefon- bzw. SMS-Option in diesen Geräten unerfüllt bleiben. Das liegt weniger an Möglichkeiten zur technischen Umsetzung, sondern an gesetzgeberischen Formalitäten, die im Übrigen auch außerhalb unserer Landesgrenzen verbindlich sind. Die SMS findet nach wie vor ihren besten Adressaten beim Beifahrer – er kann die eingehenden Informationen entspannt lesen und den Mehrwert der Nachricht auf sich wirken lassen.

Für das Telefonieren in Fahrzeugen und selbst auf dem Fahrrad gelten in Deutschland nach wie vor sehr strenge Regeln, die in erster Linie eine zugelassene Freisprecheinrichtung erfordern. Selbst wenn ein ankommender Anruf am Handy während der Fahrt „nur mal weggedrückt“ wird, droht bereits ein Bußgeld ab 40,00 Euro aufwärts. Die Zeiten, in denen Navi-Hersteller iPhone und Co. Konkurrenz machen wollten, sind ebenfalls vorbei. Es gab kein nachhaltiges Interesse bei den meisten Anwendern, sich Fotos oder Videos auf ihrem Navi anzuschauen. Musik – so fand man – kommt auch besser aus dem Auto. Viel Sinn dagegen macht eine integrierte Bluetooth-Schnittstelle, mit deren Hilfe die elektronischen Pfadfinder zur Freisprecheinrichtung werden. Einige der Geräte, die GPS beherrschen, sorgen mitunter für die drahtlose Übertragung des Telefonbuches vom heimischen PC oder Smartphone. Der DVB-T Empfang im Auto stieß ebenfalls nur auf ein sehr geringes Interesse, sodass es nur noch weniger Marken gibt, die eine solche Option im Angebot haben. Auch die von Technikfreaks bereits vielerorts praktizierte Konstellation aus Tablet und Smartphone wird sich nicht durchsetzen können, da unter anderem die Ablenkungsgefahr für den Fahrer zu hoch ist.

Jeder fünfte Fahrer nutzt heute die Navi-Funktion seines Handys

Zu dieser Erkenntnis kam im September 2013 die BITKOM und stellte fest, dass die überwiegende Mehrheit der Smartphones schon ab Werk mit einer kostenpflichtigen oder Gratis-App zur Navigation ausgestattet wird. Auf Dauer gesehen bleibt aber auch das Handy „nur“ ein besserer Notbehelf für die mobile Streckenführung, da allein schon die geringe Akkukapazität nicht ausreicht, um den Fahrer zuverlässig an sein gewünschtes Ziel zu führen. Vom kleinen Display ganz zu schweigen, denn besonders an dieser Stelle spielen die komfortablen 7-Zoll-Echtglasdisplays von TomTom, Becker & Co. ihre wahren Trümpfe so richtig aus. Bei allem Pro und Kontra traditioneller Navigationsgeräte sollte auch nicht vergessen werden, dass auch die Fahrzeughersteller Hightech-Lösungen in petto haben. Beispiele dafür liefern Mercedes Benz und BMW mit ihren Fahrerassistenzsystemen bereits heute. Sie werden wohl in wenigen Jahren zum allgemeinen Straßenbild gehören.

Feedback